Abgesehen von der lästigen Frage der Finanzierung haben die Saarländer den schwierigen Strukturwandel nach dem Niedergang der Montanindustrie beachtlich gemeistert. Viele Jahre ist das Land schneller gewachsen als der Bundesschnitt, die Wirtschaftskraft pro Kopf ist relativ hoch, die Arbeitslosenquote mit 8,1 Prozent noch moderat.
Der Umbau der Industrie geht voran. Im Jahr 2012, vier Jahre nach den großen Grubenbeben, endet die 300 Jahre alte Bergbaugeschichte an der Saar. In der Stahlindustrie dagegen wurden viele Arbeitsplätze durch die Stiftungslösung für die Saarstahl AG und die Dillinger Hütte im Land gehalten. Und die Politik hat erfolgreich die Hochtechnologie gefördert und die Autoindustrie gelockt. Dass die Abhängigkeit von der Autokonjunktur in der Krise schmerzt, macht dieses Verdienst nicht kleiner.
Dem „Savoir-vivre“ an der Saar hat das strukturelle Haushaltsdefizit jedenfalls noch nicht geschadet. Ein prägendes Phänomen der saarländischen Mentalität sei die Erfahrung von Fremdherrschaft, sagen Soziologen. Importierte Eliten hätten von jeher das Leben bestimmt. Das Ergebnis sei unter anderem ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit, enge private Netzwerke und der Wunsch, Konflikte im Konsens zu lösen. Das gilt bis heute.
Die Saarländer verstehen zu leben, und die Politik tut einen Teufel daran, ihnen den Spaß daran zu verderben. Freier Kindergarten, freies Studium, die höchste Wohneigentumsquote in Deutschland und an jeder Ecke ein gutes Restaurant – ein schönes Leben, fürwahr. Die Rechnung geht wie immer nach Berlin.
