Im saarländischen Wahlkampf ist aus dem klassischen politischen Duell ein spannender Dreikampf geworden: Im kleinsten deutschen Flächenland wollen nach der Landtagswahl am 30. August CDU-Ministerpräsident Peter Müller, sein SPD-Herausforderer Heiko Maas und der Linken-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine regieren.

Wie dieser Dreikampf endet, erscheint vor allem wegen der vielfältigen Koalitionsmöglichkeiten offen. Weil im Saarland das erste rot-rote Bündnis im Westen Deutschlands regieren könnte, birgt der Urnengang mit Hinsicht auf die vier Wochen später stattfindende Bundestagswahl politischen Zündstoff. Wie würde die SPD im Falle einer solchen Konstellation auf Bundesebene taktieren?
Der Amtsinhaber und der Ex
Als der Wahlkampf startete, war meist nur von einem Duell zwischen Ministerpräsident Peter Müller und Ex-Ministerpräsident Oskar Lafontaine die Rede. Heiko Maas, der 1996 für ein paar Monate Umweltminister war, schien nur am Rande vorzukommen.
Der Schlagabtausch zwischen zwei politischen Schwergewichten – beide wortgewaltig, beide im Saarland verwurzelt – schien diesen Wahlkampf zu prägen. Begründet lag diese Wahrnehmung auch darin, dass im Jahr 2008 eine Umfrage die Linken sogar vor der SPD sah.
Die jüngste Umfrage, die allerdings auch schon im April veröffentlicht wurde, sah die CDU trotz deutlicher Verluste vorn, die SPD aber auch klar vor den Linken. Ein ähnliches Bild zeigten die Kommunal- und Europawahlen im Juni, bei denen die SPD zwar Stimmen verlor, aber immer noch klar vor den stärker gewordenen Linken lag. Die CDU blieb stärkste Kraft, erlitt aber deutliche Einbußen.

Kein Bündnis unter Lafontaine
Ohne taufrische Zahlen können sich politische Beobachter nur aufs Spekulieren verlegen. Demnach könnte der lange belächelte Maas am Ende der lachende Dritte sein. Falls es nicht für die von Müller angestrebte Mehrheit für CDU und FDP reicht, hätte vermutlich Maas die Chance zur Regierungsbildung. Der 42-jährige SPD-Landeschef, der deutlich ruhiger als seine oft lautstark agierenden Kontrahenten auftritt, schließt ausdrücklich Rot-Rot nicht aus – was natürlich mit der SPD-Spitze abgesprochen ist.
Nicht in Frage kommt für Maas allerdings ein Bündnis unter Lafontaine mit der SPD als Juniorpartner. Dafür sind wohl auch die Wunden zu tief, die der einstige Übervater der saarländischen SPD seinen früheren Weggefährten zufügte, nachdem er 1999 als Bundesfinanzminister und SPD-Chef hingeschmissen hatte. Maas gibt sich im ZDF-Interview gewohnt sachlich, als es um die Frage geht, wie eine Koalition mit Lafontaines Linker funktionieren könne: “Das wird davon abhängen, ob wir uns einen Eindruck machen können, dass es dort ernsthaft um die Probleme des Landes geht – und nicht um Scharmützel aus der Vergangenheit.”
Noch immer ein Zugpferd
Lafontaine, einst als “Napoleon von der Saar” verspottet, ist in seiner Heimat allerdings noch immer ein Zugpferd. Seine Mitstreiter bei den Linken räumen selbst ein, dass sie ohne den Bundesvorsitzenden ihrer Partei kaum auf ein deutlich zweistelliges Ergebnis hoffen könnten.
Maas stichelt gern, Lafontaine brächte sogar die Partei bibeltreuer Christen im Saarland über die Fünf-Prozent-Marke.

So ziemlich die ganze Palette
Im Schatten von CDU, SPD und Linken ringen FDP und Grüne um Wählerstimmen. Dabei könnte gerade dieses “kleine” Duell darüber entscheiden, wer das Saarland künftig regiert. Diskutiert wird die ganze mögliche Farbpalette in einem Fünf-Parteien-Parlament: Schwarz-Gelb, große Koalition, Rot-Rot, Rot-Rot-Grün, eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP oder Jamaika aus CDU, FDP und Grünen.
Der Ausgang des saarländischen Dreikampfes wird sicher die Debatten des Bundestagswahlkampfs mitprägen – mit Auswirkungen auf das große politische Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier.
Quellen:
http://wahl.zdf.de/ZDFheute/inhalt/10/0,3672,7616618,00.html?dr=1
http://www.nrhz.de/flyer/media/11443/OskarLafontaineDLSolingen.jpg
http://www.saarbruecker-zeitung.de/storage/pic/sonstiges/1299021_0_maas.jpeg
