Ihr Tod löst Spekulationen aus: Woran starb Talkshow-Pionierin Ilona Christen? Von einem Krebsleiden und schweren Depressionen ist die Rede. Ihr Mann müht sich, die Gerüchte aus der Welt zu schaffen.
München – Sie galt als Brillen-Liebhaberin und Energiebündel: Nun starb die ehemalige TV-Moderatorin Ilona Christen ihrem Ehemann zufolge an einer Blutvergiftung. Demnach fehlte der 58-Jährigen nach ihrer Karriere die nötige Kraft, um sich davon zu erholen. Spekulationen über eine schwere Tumorerkrankung, die seither die Runde machen, weist Ambros Christen vehement zurück. “Es stimmt, dass sie in den letzten Jahren an Gewicht zugelegt hatte, aber nicht, weil sie angeblich einen Schilddrüsentumor hatte”, sagte der Schweizer “Bunte”.
Christen habe vor 30 Jahren einen kleinen Knoten an den Stimmbändern gehabt. “Nichts Ernstes. Ansonsten war sie kerngesund. Sie hat einfach gern gegessen und deshalb zugenommen.”
Todesursache bei der 58-Jährigen war nach Angaben ihres Mannes eine Blutvergiftung. Bei der sogenannten Sepsis gelangen Bakterien in den Kreislauf. “Eine Woche vor ihrem Tod zeigte ihr Körper die ersten Vergiftungserscheinungen. Zuletzt war ihr Blut komplett vergiftet. Da halfen auch keine Antibiotika und keine Blutdialyse. Irgendwann haben dann Leber und Nieren versagt. Ilona hatte einen septischen Schock, fiel ins Koma. Am 31. Juli starb sie”, sagte Christen.
Ilona Christen sei am 8. Juli auf der Treppe gestürzt und habe sich das Schlüsselbein gebrochen. “Durch den Aufprall bekam sie einen riesigen Bluterguss, von der Schulter den ganzen Arm hinunter bis zum Handgelenk”, sagte der 53-Jährige dem Blatt. Die Ärzte in der Klinik seien zunächst mit dem Heilungsprozess zufrieden gewesen, aber dann habe es Komplikationen gegeben.
Ihr Körper sei einfach seit Jahren total geschwächt gewesen, “obwohl sie erst 58 Jahre alt war, aber sie hat beim Fernsehen über viele Jahre hinweg täglich 200 Prozent gearbeitet”, sagte der Witwer. Außerdem habe sie einen schlechten Blutgerinnungsfaktor gehabt. Ilona und Ambros Christen waren 27 Jahre verheiratet und lebten in der Schweiz.
“Ohne Fernsehen bin ich glücklich und frei”
Die gebürtige Saarländerin begann 1969 beim Saarländischen Rundfunk als Filmcutterin. Danach arbeitete sie drei Jahre als Bildmischerin. 1973 begann sie als Fernsehansagerin – die erste beim SR mit Brille. 1976 begann sie als Moderatorin beim SR-Hörfunk und bei der Europawelle Saar.
Von 1986 bis 1992 moderierte sie mehrere Jahre den ZDF-Fernsehgarten, 1993 wechselte sie zum Privatsender RTL, wo sie bis 1999 ihre eigene Talkshow “Ilona Christen” moderierte. Bei dem Kölner Sender erreichte sie mit ihrer werktäglichen Sendung durchschnittlich 2,5 Millionen Zuschauer pro Tag.
1999 kritisierte sie die rapide sinkende Qualität von Talkshows. Alles sei “noch etwas kontroverser, noch etwas gemeiner und fieser” geworden. Bei ihrem endgültigen Abschied vom Fernsehen ein Jahr später ging sie noch einen Schritt weiter und erklärte: “Ohne Fernsehen bin ich glücklich und frei.” Damals betonte sie, keine Interviews mehr geben zu wollen: “Die öffentliche Ilona Christen gibt es ab jetzt nicht mehr.”
Anschließend zog sie mit ihrem Schweizer Ehemann Ambros Christen nach Ennetbürgen am Vierwaldstättersee im Kanton Nidwalden. Sie wolle künftig fotografieren, schreiben und habe “unendlich Lust, auf Reisen zu gehen”, erklärte sie damals.
jjc/AP

Quelle Text / Bild: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,640376,00.html
