Saarbrücken (dpa) – Das große Ziel heißt Olympia. «Jeder Sportler träumt davon, dass seine Sportart einmal olympisch wird», sagt Felix Weins (27), der «Headis»-Weltmeister 2007.
Am Wochenende veranstalteten die Spieler des «Kopfball-Tischtennis» wieder einmal eine Weltmeisterschaft – in Saarbrücken. Es ist schon die dritte WM in ihrer Sportart. Ein Breitensport ist «Headis» sicher noch nicht. Aber von Jahr zu Jahr findet er mehr Anhänger.
«Headis» ist eine Art Tischtennis. Allerdings gibt es keine Schläger, und der Ball darf nur mit dem Kopf gespielt werden. Der Name setzt sich aus dem englischen Wort für Kopf («head») und «Tennis» zusammen. Die Nase immer kurz über der Tischplatte wetzen die Spieler von links nach rechts. Köpfen den etwa 100 Gramm schweren Ball mit kräftigen Nackenbewegungen Richtung Gegner.
Gewonnen hat bei der Weltmeisterschaft in Saarbrücken der Titelverteidiger von 2008, Marvin Löscher aus Hannover. Unter seinem Künstlernamen «Marvellous 96» setzte er sich knapp in drei Sätzen gegen den Kölner Johannes Höhn (alias «Don Heado») durch. Bei den Damen gewann Verena Kullack aus Kaiserslautern.
Schon der erste Eindruck zeigt: «Headis» ist nichts für Fernsehsportler. «Beinarbeit ist alles», sagt René Wegner (27). Er hat das Spiel vor etwa drei Jahren erfunden. Aber können sich Ungeübte nicht leicht verletzen, wenn der Kopf der Tischkante so nahe kommt? «’Headis’ ist relativ ungefährlich. Man muss nur aufpassen, dass man nicht mit dem Kinn die Platte touchiert», beruhigt Weins.
Grundlage der Sportart sind sinngemäß die Tischtennisregeln. Allerdings dürfen sich die Spieler auf der Platte abstützen. Außerdem müssen sie nicht warten, bis der Ball die Platte berührt, sondern dürfen ihn auch Volley spielen. Deshalb gibt es im «Headis» den Typ des «Plattenhechters». In einer Art Liegestütz erwartet der den Ball des Gegners und startet so eine Netzattacke.
Seitdem das Spiel durch Zufall in einem Kaiserslauterer Freibad erfunden wurde, hat «Headis» eine rasante Entwicklung genommen. «2006 gab es nur 16 Spieler, 2007 haben sich über 60 Teilnehmer zur WM gemeldet, dieses Jahr haben wir etwa 120 Meldungen», sagt Weins. Ein wichtiger Schritt zu mehr Popularität sei sicherlich der Auftritt von Weins und Wegner in Stefan Raabs Show «TV total» gewesen, bestätigen beide. Heute gebe es in Deutschland über 1000 Anhänger des «Kopfball- Tischtennis», sagt Weins. Und auch einige Vereine: unter anderem in Saarbrücken, Kaiserslautern, Köln, Kassel und Göttingen. Das erste offizielle «Headis»-Spiel war gleich ein Derby: «Headis United Saarbrücken» gegen «Rote Stirn Kaiserslautern».
Schon die Namen zeigen: Ganz bierernst nehmen die «Headis» ihre Sportart nicht – bei allem sportlichen Ehrgeiz. Im Hintergrund legt ein DJ Hip-Hop-Musik auf. Manche Spieler tragen Kostüme. «Am Samstag ist jemand nur mit einer Windel bekleidet angetreten. Ich werde vielleicht in den K.o.-Spielen mal mein Hasenkostüm anziehen», sagt Wegner. Außerdem sei es völlig üblich, sich einen Künstlernamen zuzulegen. Wegner nennt sich «Headi-Potter» – der Zauberer an der Platte. Allerdings gebe es viele Spieler, die sich seit Wochen akribisch auf das Turnier vorbereiteten und jeden Tag trainierten, sagt Weins. Und: «Headis» ist international. Teilnehmer aus Deutschland, Portugal, Luxemburg, USA, Russland und Spanien sind für die WM ins Saarland gereist. Die Favoriten sind wie im Tennis gesetzt und können sich so die Vorrunde sparen.
Eine Regel sollten die «Headis»-Spieler aber vielleicht noch einmal überdenken, wenn ihre Sportart wirklich olympisch werden soll. Wer einen Satz elf zu null verliert, muss nach derzeitigem Ehrenkodex dem Gegner ein Weizenbier spendieren.

Quelle Text/Bild: http://www.zeit.de/newsticker/2009/8/3/iptc-bdt-20090802-434-21978348xml?page=1
