Saarbrücken in Richtung Zukunft. Die boerse.ARD. berichtet nun bei Ihrem Online-Auftriit über die Neuigkeiten der Nanotechnologie!
Ob Korrosionsschutz, Antibeschlag oder Betonbeschichtung: Bei der Veredelung von Oberflächen kommt immer öfter auch Nanotechnologie zum Einsatz. Das saarländische Unternehmen Nanogate liefert die Bauteile dazu – mit Erfolg.
boerse.ARD.de besucht Nanogate
Als die schwedische Botschaft in Washington vor einigen Monaten nach einer Methode suchte, ihr prestigeträchtiges neues Gebäude vor schädigenden Umwelteinflüssen zu schützen, fiel ihre Wahl auf NanoGuard, ein Produkt des in der Nähe von Saarbrücken ansässigen Unternehmens Nanogate. Die klare Flüssigkeit versiegelt mineralische Oberflächen wie Beton und verringert dadurch die Schmutzanhaftung. Zuvor war bereits ein Tunnel der Stockholmer Stadtautobahn entsprechend beschichtet worden, damit die Kacheln und Leitplanken künftig weniger Pflege brauchen. Tatsächlich ließ sich der Aufwand für die laufende Reinigung um die Hälfte reduzieren.
Nach mehrjähriger Forschung wurde auch eine neue Textilbeschichtung entwickelt, mit der die Sitze im Opel Insignia bezogen sind. Dabei sollen die Nanostrukturen verhindern, dass Schmutz oder Flüssigkeiten ins Gewebe eindringen und den Stoff verfärben.
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Feinstaub filtern
Doch es geht noch besser. Nanogate hat eine Technologie entwickelt, die es ermöglicht, elektrische Ladungen dauerhaft auf unterschiedlichen Untergründen wie etwa Glas, Textilien oder Kunststoffen zu speichern. Dadurch können beispielsweise Stoffe als Filtrationsmedium, etwa von Feinstaub, genutzt werden. Durch die elektrische Ladung werden die Feinstaubpartikel aufgesogen, ohne die Luftdurchlässigkeit der Textilien zu beeinträchtigen.
Die Beispiele zeigen, dass die Nanotechnologie ihren experimentellen Charakter längst überwunden hat und praxistauglich geworden ist. Die von Nanogate entwickelten Beschichtungen sind dünner als der Film, den ein Klarspüler auf einer Glasoberfläche hinterlässt. Man kann sie weder mit dem bloßen Auge noch mit dem Tastsinn wahrnehmen. Tatsächlich sind Nanopartikel nur 0,2 bis etwa 100 Nanometer (nm) groß. Und die Anwendungsgebiete sind nahezu unbegrenzt. Holz, Glas, Metall, Naturstein oder Kunststoffe lassen sich auf diese Weise versiegeln. Einer Schätzung des Vereins der deutschen Ingenieure, VDI, zufolge dürfte der weltweite Markt allein für nanotechnologische Beschichtungen, dem wichtigsten Geschäft von Nanogate, rund 30 Milliarden Euro betragen.
Immer mehr Produkte
Nach einer Liste, die von der US-Organisation “Project on Emerging Nanotechnologies” geführt wird, gibt es bereits über 800 Erzeugnisse, die Nanoteilchen enthalten. Angeboten werden sie von 477 Firmen in 21 Ländern. Mitte 2008 waren es noch 500 Produkte. Die Zahlen zeigen, dass die neue Technologie vom Normalbürger weitgehend unbemerkt in immer mehr Lebensbereiche vordringt. An diesem Wachstum hat bisher auch Nanogate partizipiert. Das vor zehn Jahren als Spin-off des Leibnitz-Instituts gegründete Unternehmen konnte im vergangenen Jahr 12,1 Millionen Euro umsetzen, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2006 erzielte Nanogate einen Umsatz von nur 7,8 Millionen.
Nanogate vs. Entry-Standard-Kursindex
Weniger Gewinn
Das Kerngeschäft der Oberflächenbeschichtung konnte 2008 sogar um ein Viertel auf 11,6 Millionen Euro gesteigert werden. Allerdings mussten die Saarländer einen Einbruch ihres Vorsteuergewinns um 31 Prozent auf 1,07 Millionen Euro verkraften. Als Grund werden gestiegene Kosten genannt, besonders bei der Erschließung neuer Märkte im Ausland sowie in der Forschung und Entwicklung. Trotzdem verfügte das Unternehmen zum Bilanzstichtag am Jahresende über einen Kassenbestand von 8,5 Millionen Euro bei kaum nennenswerten Schulden. Auch die Eigenkapitalquote liegt mit 69,3 Prozent noch immer auf einem komfortablen Niveau.
Von der Krise erwischt
Allerdings bekam auch Nanogate im Herbst letzten Jahres die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise zu spüren, die besonders seine wichtigsten Auftraggeber aus der Automobil-, Textil- und Bauindustrie hart getroffen hat. Auf der Hauptversammlung im Juni wiederholte Vorstandschef Ralf Zastrau seine Aussage vom Frühjahr über eine anhaltend “geringe Visibilität” der Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. Das heißt, dass eine zuverlässige Prognose für die kommenden Monate nicht möglich ist. Eine erneute Steigerung der Umsätze in diesem Jahr scheint wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Misere kaum noch realistisch. Schlimmer noch: Zastrau schließt nicht aus, dass Nanogate 2009 erstmals seit Jahren in die roten Zahlen rutscht.
Vielfältige Nanobeschichtungen (Fotoserie)
Dem Firmenchef zufolge hat Nanogate zwar keinen einzigen Kunden verloren, doch lägen derzeit zahlreiche Projekte auf Eis. Seit November würden sich potenzielle Industriekunden wie “paralysiert” zeigen. Die von Nanogate entwickelten Innovationen bei der Oberflächenbeschichtung in den Bereichen antihaftend, antibakteriell, korrosionsschützend oder ultragleitfähig, erhielten zwar Anerkennung, ließen sich derzeit aber nur schwer vermarkten.
Stabile Ankeraktionäre
Dem Aktienkurs des seit 2006 an der Börse notierten Unternehmens haben die eingetrübten Aussichten in diesem Jahr nicht geschadet. Im Gegenteil. Seit seinem bisherigen Tiefstand von 6,30 Euro Ende 2008 hat sich der Kurs auf über 13 Euro mehr als verdoppelt. Damit beläuft sich die Marktkapitalisierung derzeit auf gut 26 Millionen Euro.
Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn man die Kursentwicklung seit der Erstnotiz im wenig reglementierten Entry Standard der Frankfurter Börse am 18. Oktober 2006 betrachtet. Der Kurs stieg zwar vom Ausgabepreis von 32 in der Spitze bis auf 39 Euro, kannte danach aber nur eine Richtung: nach unten. Die Großaktionäre halten dem Unternehmen trotzdem die Stange. Im Mai letzten Jahres konnte Nanogate mit der Beteiligungsgesellschaft HeidelbergCapital, dem deutschen Ableger des US-Riesen Auda, einen neuen Ankerinvestor gewinnen. Seitdem hält HeidelbergCapital 34 Prozent von Nanogate, der bisherige Hauptaktionär BIP Investment Partners, einer Beteiligungsgesellschaft der belgischen Bank Fortis, stockte auf 25 Prozent auf. Der Streubesitz beträgt gut 30 Prozent.
Die Investoren wie auch viele Analysten sind nämlich von den langfristigen Wachstumsperspektiven des Unternehmens nach wie vor überzeugt. Wegen der in diesem Jahr absehbaren Ertragsbelastungen könnte sich ein Einstieg zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings als riskant erweisen.
Quelle: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_363264
